Lissabon – die “weiße Stadt” in der Tejobucht
12.07.2009 | Kategorie: Reisen
Einst erreichte man Lissabon, die faszinierende portugiesische Metropole an der Tejomündung, über den Atlantik und den Fluss – von hier aus bot sich zur Begrüßung ein einmaliges Panorama auf die Stadt mit ihrem unvergleichlichen „atlantischen“ Licht. Die Lage auf den sieben Hügeln, die über allem thronende Christusstatue Christo Rei und der Charme des leisen Verfalls machen den Reiz der einstmals bedeutenden und glanzvollen Metropole aus. Von den Phöniziern gegründet, wurde Lissabon Mitte des 13. Jahrhunderts zur Residenz der portugiesischen Könige erhoben. Die bahnbrechenden Entdeckungen des ausgehenden 15. Jahrhunderts sowie die aus Ostindien ins Land gebrachten Schätze und Waren ließen Lissabon innerhalb kurzer Zeit zur reichsten Stadt Europas werden.
Das verheerende Erdbeben von 1755 legte fast die gesamte Stadt in Trümmer und der nachfolgende Wiederaufbau kam durch die napoleonische Invasion sowie den Verlust Brasiliens als Kolonie ins Stocken, Ereignisse, von denen sich Lissabon erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts langsam wieder erholte. Heute ist die Stadt am Tejo eine moderne und weltoffene Großstadt, die sich trotz der Zugeständnisse an den Wandel der Zeit ihre typischen Eigenarten stets bewahrt hat. Das Stadtbild Lissabons wird hauptsächlich von ihrer hügeligen Lage und den teilweise recht erheblichen Höhenunterschieden bestimmt. So bieten sich immer wieder überraschende Ausblicke auf das weißgraue Häusermeer und den Fluss, ein Anblick, dem sich auch eingefleischte Einheimische nicht entziehen können. Dieser besonderen Attraktivität ist es zu verdanken, dass überall in der Stadt die sogenannten „miradouros“ errichtet wurden, kleine und große Aussichtsterrassen, von denen aus man das herrliche Panorama in vollen Zügen genießen kann.
Der uralte Stadtkern Lissabons wurde jahrzehntelang stark vernachlässigt, was ihm heute nach umfangreichen Sanierungen ein gewisses marodes Flair verleiht. Besonders in der Alfama, der malerischen Altstadt Lissabons, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, was der Attraktivität dieses Stadtviertels eher zugute kommt. Am stilvollsten besichtigt man die Alfama während einer Fahrt mit der historischen Straßenbahnlinie 28, die hügelauf, hügelab durch die Innenstadt von Lissabon fährt und in den engen Straßen der Altstadt gerade so durchpasst. Beeindruckende Kirchen, das alte Kastell auf dem Burgberg, ein ehemaliges Augustinerkloster und viele Museen bilden die Sehenswürdigkeiten der historischen Alfama.
Mit dem Elevador de Santa Justa erreicht man die Oberstadt, Bairro Alto, gibt sich als elegantes Einkaufsviertel mit vielen Cafés, Kneipen und Restaurants, das schon seit jeher Schriftsteller, Künstler und die Bohème anzog. Monumental und sehr geschichtsträchtig geht es dagegen in Belém zu, das im Westen der Stadt direkt am Tejo-Ufer liegt. Vom hiesigen Hafen aus machten sich die großen Entdecker zu ihren abenteuerlichen Fahrten über die Meere auf und brachten Reichtum und Ruhm nach Lissabon zurück, wovon das berühmte Denkmal der Entdeckungen direkt am Ufer sein steinernes Zeugnis ablegt. Das einstige Jerónimoskloster ist ebenfalls ein beeindruckendes Symbol für Portugals einstige Macht und Bedeutung und bietet zudem in seinem wunderschönen Kreuzgang einen Ort der Ruhe und Besinnung nach einer erlebnisreichen Stadtbesichtigung.